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Halbe – Teil 1

Die Gemeinde Halbe mit ihren 3 Ortsteilen, 4 Gemeindeteile und 2 Wohnplätzen gehört zum Amt Schenkenländchen.

Die Entstehung  der Gemeinde

Halbe blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits in der Steinzeit, ca. 3000 v. Christi, konnte eine Besiedlung nachgewiesen werden. Im 13. und 14. Jahrhundert gab es kleinere mittelalterliche Ansiedlungen. Es wird vermutet, dass sie in Verbindung mit den in der Nachbarschaft liegenden Pechöfen, standen.  1546 wurde Halbe erstmal als „Dorff Halb“ erwähnt. Zur Bedeutung des Namens gibt es unterschiedliche Auffassungen. Einige Sprachforscher gehen davon aus, dass Halbe für „die Hälfte“ steht, andere sehen in dem Begriff die Bedeutung für das slawische Wort „Bauernhütte“.  Im gleichen Jahr geht Halbe zusammen mit anderen Ortschaften, wie z.B. der Stadt Teuptzig ( heute Teupitz ) in den Besitz der Nachkommen der Schenken von Landsberg über. Zur dieser Zeit gibt es bereits mehrere Mühlen an der Dahme, u.a. die Teurower und die Staakmühle. Beide Gebäude stehen heute noch, leider ohne Mühlräder.

Im 17. Jahrhundert setzt sich dann die heutige Bezeichnung Halbe durch. Während des Dreißigjährigen Krieges wird Halbe fast komplett zerstört, die Feldmark wird zur Heide. 1652 sind in Halbe nur noch 2 Bauern und 2 Kossäten ansässig. Die schlesischen Kriege von 1740-1763 waren nicht nur durch die großen Verluste an Menschen geprägt, auch gabes kein Gewerbe mehr in den Orten. Aus diesem Grunde wurde 1746 eine Kabinettsorder erlassen, die die Neugründung von Orten zum Inhalt hatte. In Folge dessen entstand auch der heutige Halber Ortsteil Freidorf. Die Neusiedler erhielten Grund und Boden aus dem königlichen Besitz Friedrich Wilhelm I. Die Pächter erhielten ein erbliches Nutzungsrecht, das Land blieb aber Eigentum der Krone.

Gewerbe und Industrie

Weinbau

Fährt oder wandert man aus Richtung Teupitz nach Halbe, erhebt sich auf der rechten Seite vor dem Waldsee, von alten Halbern immer noch Chausseeloch genannt, ein etwa 1 Hektar großer Berg, der auch heute noch Weinberg genannt wird. Bereits im 13. Jahrhundert wurde auch in Halbe Weinbau betrieben. Aufgrund der günstigen geografischen und geologischen Lage trugen die Rebstöcke reiche Ernte, sodass z.B. 1699 alle Bürger von Halbe, Buchholz und den umliegenden Orten bei der Lese unentgeltlich helfen mussten. Den edlen Tropfen konnte jedoch das gemeine Volk nicht genießen, der Wein blieb allein dem Adel vorbehalten. Ab 1813 lohnte sich der Weinbau nicht mehr. Fortan bedeckten märkische Kiefern bis heute die ehemaligen Rebflächen.

Teeröfen

Im 19. Jahrhunderts war das beherrschende Gewerbe um und in Halbe  Teerschwelerei. Um Holzkohle und Teer zu erzeugen wurden 5 Meter hohe birnenförmige Öfen  angelegt. Ca. 30 Festmeter Holz wurden aufgeschichtet um daraus Teerschmieren für Wagen und Holzkohle für die Verhüttung von Erzen herzustellen. Das Ortsbild von Halbe war zu dieser Zeit von Büdnerhäusern geprägt, die mit Schilf bedeckt waren. Halbe hatte nur eine Straße. Nach Teupitz, Buchholz, Teurow, Oderin, Briesen führten Sandwege. Den Sandweg nach Briesen kenne ich noch aus meiner Schulzeit Anfang 1970.

Ziegeleien

Ende des 19. Jahrhunderts wird auch Halbe von der Industrialisierung erfasst, die vorallem durch die Ziegelherstellung geprägt ist. Halbe und seine Umgebung hatte einen besonderen Bodenschatz zu bieten, den Tonmergel. Aus ihm wurden bereits im 17. Jahrhundert per Hand Ziegel geformt und dann getrocknet. Mächtige Lagerstätten mit Bänderton waren die Voraussetzung für die Enstehung der Ziegeleien in Halbe. Die Weltwirtschaftskrise in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts bedeutete das Aus für die Ziegelproduktion. Übriggeblieben von dieser glorreichen Zeit der Industrie in Halbe sind nur die vielen Seen. In die stillgelegten Tongruben floss das Grundwasser. So entstanden u.a. der Heidesee oder der Waldsee an der Teupitzer Straße, die von Halbern und ihren Gästen gern zum Baden und Angeln genutzt werden.

Halbe – ein Dorf mit kleinstädtischem Charakter

Mit der Industrialisierung kamen auch mehr Menschen in den Ort und der Bedarf an geeigneten Geschäften und Gewerken wuchs. In der einzigen, bis dahin genutzten Dorfstraße, der heutigen Lindenstraße, entstanden zahlreiche Geschäfte. Halbe hatte zu dieser Zeit 2 Kaufhäuser, 1 Biergrosshandlung, ein Schlachthaus, eine Möbelmanufaktur, 3 Bäckereien und sogar eine Leihbibliothek. Anfang des 20. Jahrhundertes kamen u.a. noch eine Tankstelle und 2 Baugeschäfte dazu. Man kann es kaum glauben, aber in diesen Jahren gab es allein in Halbe 8 Gasthäuser mit Fremdenlogis. Nur ein Gasthaus, hat die Jahrhunderte überdauert, der seit 1870 bestehende Gasthof „Zum goldenen Stern“.

Heute bewirtet Ute Schwerdtfeger von Freitag bis Sonntag ihre Gäste mit gutbürgerlichen Gerichten. Frau Schwerdtfeger führt das Gasthaus in 3. Generation. Ich kann mich noch lebhaft an Kindertanz bei Opitzens, Ute’s Großeltern, erinnern. Das älteste Gasthaus „Zur grünen Linde“ stand einmal im Ortsteil Teurow. Bereits 1785, so wird es in der Königlichen Chronik des Amtes Buchholz erwähnt, wurden 15 Tonnen Bier und 78 Liter Spirituosen in diesem Gasthof ausgeschenkt. Hier wurde im Saal so manches Fest von den Teurowern gefeiert, ob Rosenbaum, Fastnacht, Silvester oder das Vergnügen der hiesigen Jagdgesellschaft. Leider wurde dieser Treffpunkt der Teurower aus wirtschaftlichen Gründen 1993 geschlossen.

Im Teil 2 geht es um Halbes dunkelstes Kapitel – die letzte Schlacht des 2. Weltkrieges und seine Folgen für die Gemeinde.

Quelle: Bernd Ruschke „Halbe im Ganzen“, Weißensee Verlag, Berlin 2009

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